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Elfriede Jelinek

Über Tiere

www.lust-spiel.net

Schauspiel
Premiere 10.03.2010
Spielstätte

Weitere Termine werden in Kürze bekannt gegeben

Stückinfo

„Sobald man sich aufgibt, im Hinblick auf einen Anderen, der das Andere schlechthin ist, schluckt die Welt ... einen auf, und man ist fort“, sagt im ersten Teil von Über Tiere eine Frau, die sich als heillos Liebende gegen das Verschwinden wehrt. Sie versucht, einen Ort für sich zu finden, und gerät dabei ständig „außer sich“, denn die Sprache widersetzt, zersetzt, entzieht sich, bietet viele, aber nicht die passenden Worte für das Verlangen der Frau, die man nie sieht, „weil ich da bin und gleichzeitig weg. Wieso kann ich das nicht besser sagen?“ Die Frau fühlt sich darauf angewiesen, gebraucht zu werden, sie will – auch sexuell – wieder in Gebrauch genommen werden und übt deshalb
sprachliche Unterwerfungsgesten. Das Problem ist ihr in aller Dialektik klar: „Warum etwas gratis nehmen, wenn man dafür zahlen kann.“ Sex als Machtbeziehung. Trotzdem, sie will noch „da sein“, wenigstens aber will sie „sein“.

Ein grelles Licht auf eine Möglichkeit, in der Welt zu bleiben, wirft der zweite Teil des Stücks, der auf realen Abhörprotokollen eines Wiener „Begleitservice“ basiert. Männerstimmen verlangen darin „frische Ware“ (meist aus Osteuropa) und preisen (im doppelten Wortsinn) die Vorzüge einzelner Mädchen, versehen sie mit Kürzeln wie „CIF“ für „Come in Face“, „CIM“ für „Come in Mouth“. Die Zitate, die Elfriede Jelinek in diesem berichtenden und reflektierenden Text montiert, sind von bestürzend drastischer Frauenfeindlichkeit und von schmuddeliger Obszönität. Frauen werden bewertet nach Körperbau, Funktionalität, Verfügbarkeit und Bereitschaft, Lust zu empfinden.

Was an sexuellen Unterwerfungsgesten im Monolog der Frau nur angedeutet wurde, stülpt sich im zweiten Teil radikal nach außen und verschafft sich in Jelineks kleinem Bestiarium geradezu monströs Gehör. So genau hatte man den Anderen gar nicht kennenlernen wollen.