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Stücke

Spielzeit 2018/2019
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Lawinenstriche

Lesung mit Martin Plattner, Thomas Bernhard Stipendiat

Sonderveranstaltungen
15.01.2019
Spielstätte Unteres Vestibül Kammerspiele
Dauer 01 Std. 00 min.

Diese Produktion steht leider nicht mehr auf dem Spielplan

Stückinfo

Martin Plattner schreibt fürs Theater. Er ist aktueller Stipendiat des Thomas Bernhard Stipendiums am Landestheater Linz. Kurz vor der Uraufführung seines neuen Stückes rand: ständig auf der Studiobühne Promenade liest er aus eigenen Stücken und spricht über seine Arbeit an den Texten.

 

Martin Plattner liest aus vier seiner Theatertexte – ein Querschnitt durch alpine Gefahrenzonen. Es geht um die Zerreißproben von Ex-, Beinah- und Möchtegernlandesmuttis, es geht um in Stauseen verschwundene Dörfer, es geht um Drohbriefe, verschreibungspflichtige Medikamente und Pistenraupen, die einsam ihre Kreise ziehen.

 

Plattners Sprache ist voll Poesie, voll Untergrund und Mehrdeutigkeit, gleichermaßen benennend und andeutend, ein Sog ins Assoziieren, ins Verstehen. Sie hat einen eigenen Klang gefunden, eine Melodie der Wortstellung, die aus fernerer Zeit oder auch aus der Noch-Gegenwart eines Tiroler Tales tönt und doch neu und spannend in der österreichischen Literatur ist.“                                       

Ursula Strohal, Tiroler Tageszeitung (6. März 2018)

 

KURZINFOS ZU DEN TEXTEN:


MAULTASCH (2015)

Margarete Maultasch, die letzte Fürstin von Tirol, hat eigentlich alle Hände voll mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Jetzt muss sie sich zudem auch noch um ihre als verrückt geltende und heute pflegebedürftige Schwester Adelheid kümmern. Bedienstete stehen längst keine mehr zur Verfügung. Nur Weirat, die aus dem Ausland kommt, ist ihr eine Hilfe. Und auch sie steckt knietief mit im Sumpf der Geschichte, in dem verkaufte Bräute und rachsüchtige Witwen waten. Das Ausleeren von Bettpfannen ist da noch das kleinste Übel. Keine lässt auch nur ein gutes Haar an der anderen oder ihrer Geschichte. Mitleid gibt es lediglich mit den Pistenraupen, die einsam ihre Kreise ziehen. Und dann fängt die arme bettlägerige Frau auch noch an, ein Publikum zu halluzinieren. Als wäre die häusliche Pflege nicht schon Theater genug! MAULTASCH ist ein gewalttätiges Kammerspiel, das mit Überlieferungen, Frauenrollen und Theatermitteln spielt. MAULTASCH ist eine Auseinandersetzung mit einem der zwingendsten Problemfelder unserer Gegenwart: jenem der häuslichen Pflege.


VALMUTSCH (2011)

Das einem Speichersee geopferte Dorf Valmutsch. Die nachträgliche Vergrößerung des gesamten Kraftwerkprojekts um ein Vielfaches. Gefälschte Gutachten. Ein massiver Bergsturz. Der See fliegt: Saubere Wasserkraft! Der Dreigesang der untoten „Gretln“ versucht sich in sieben Segmenten an der Rekonstruktion einer Stauseekatastrophe. Sie irren durch ein sich ständig zu wiederholen scheinendes postdramatisches „Schauerpanorama“ und schlüpfen in die Rollen aller Beteiligten: Landeshauptmann, russische Investorinnen, Kraftwerksbetreiber, abgesiedelte Einwohner_innen, Katastrophenausflügler, Tote. Valmutsch befasst sich mit der Zersetzung des Menschen und seiner Lebensräume vor dem Hintergrund der so genannten „sauberen“ Energiegewinnung. Die gnadenlose Ausbeutung der Natur und menschlicher Ressourcen zugunsten äußerster Gewinnmaximierung erfährt im Text eine bedrohliche Spiegelung: Figuren und Handlungen verwandeln sich in einen vielstimmigen (Sprach-)Speicher. Valmutsch ist lose an die Stausee-Katastrophe im norditalienischen Vajont (1963) und an die Absiedelung und Flutung des Südtiroler Ortes Graun am/im Reschensee (1948–1950) angelehnt. Die weltweiten Pläne zum Ausbau der „sauberen“ Wasserkraft (auch als Alternative zur Atomenergie) garantieren nicht nur weitere gewinnbringende Großprojekte, sondern verschärfen einmal mehr die Ausbeutung von Natur und Mensch.

 

UM: HAUSEN (2014) 

Der makabre „Streich“ einer in Umlauf gebrachten Todesliste – mehr als zwanzig BewohnerInnen eines Bergdorfes sollen an ein und demselben Tag ermordet werden – lässt eine Kommune aus ihren Fugen geraten. Auf der Suche nach dem Mörder in spe setzt ein kollektives Irrlichtern durch ein Dickicht aus Vorverurteilungen und jahrzehntealten Konflikten ein. Eines der Opfer der Todesliste entpuppt sich schließlich selbst als das „Phantom“ – es hat Namen und Gesicht bekommen. Die Verunsicherung aber bleibt, denn die Beweggründe für das Handeln des „Phantoms“ entfalten sich zur gespenstischen Offenbarung. um:hausen ist eine theatrale Spurensuche nach der Monstrosität im Kleinen.

 

FERNER (2018)

Eine alte Frau ist aus dem Pflegeheim entwischt und nun barfuß auf einem Gletscher unterwegs. Doch es ist nicht irgendein Gletscher, es ist das zugefrorene Mittelmeer, aus dem eine Stimme spricht. Eine Stimme, gespeist aus den Stimmen unzähliger Geflohener, die hier ertrunken sind. Tote, die einst schockgefroren wurden und erst in sechstausend Jahren wieder ausapern werden. „Dann wird man uns für ein grausames Volk halten, ein richtig bösartiges Volk, das Menschenopfer gebracht hat.“ Die alte Frau versucht sich zu beruhigen, das sagt schließlich auch der Beipackzettel ihrer Tabletten. Da tauchen auf einmal ihre Verfolger auf: Der Zivildiener und die Oberpflegerin aus dem Heim. Sie sind bewaffnet mit Walkie-Talkies und behaupten, nichts von einem Gletscher zu wissen. Auch eine Stimme aus dem Eis können oder wollen sie nicht hören. Hier sei nur ein zugefrorener Löschteich, weiter nichts. Und sie versuchen, die alte Frau dazu zu bewegen, zurück ins Heim zu kommen, brav ihre Fischstäbchen und Antidepressiva runterzuwürgen und danach gefälligst das Maul zu halten. Doch da tut sich unter ihnen ein Loch auf, das die alte Frau verschluckt. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihr in den Abgrund zu folgen …