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Heiner Müller

Quartett

Nach dem Briefroman Gefährliche Liebschaften
von Choderlos de Laclos

www.lust-spiel.net

Schauspiel
Premiere 11.10.2009
Spielstätte

Weitere Termine werden in Kürze bekannt gegeben

Stückinfo

„Ich saß da in einer Villa bei Rom im obersten Stock. Angefangen hatte ich vorher schon, aber das letzte Drittel oder die zweite Hälfte ist da geschrieben worden, zum ersten Mal auf einer elektrischen Schreibmaschine. Das hatte Folgen für den Text. Er ist mehr ein Uhrwerk als andere Texte vorher. In den unteren Räumen wohnte meine Frau mit einem anderen Mann, der heftig in sie verliebt war. Sicher ging davon eine Energie aus. Ich hatte ein kleines Radio bei mir, im dritten Programm lief gerade eine Schubert-Serie. Und ich erinnere mich an ein Lied, das da in der Nacht besonders eindrucksvoll war, aus der „Schönen Müllerin“, wo der Bach den Knaben zum Selbstmord einlädt. „Und die Sterne da oben, wie sind sie so weit“ (Heiner Müller)

Eigenen Angaben zufolge hatte Heiner Müller schon seit den 50er Jahren den Plan nach der Vorlage des 1782 erschienen Briefromans Les Liaisons dangereuses (Die gefährlichen Liebschaften) ein Stück zu schreiben. Die gefährlichen Liebschaften sind einem größeren Publikum durch den gleichnamigen Film von Stephen Frears (mit Glenn Close und John Malkovich) ein Begriff.

Die Marquise de Merteuil erwartet ihren einstigen Liebhaber Vicomte de Valmont. Das körperliche Begehren ihrer Beziehung ist dem Diskurs über Liebe, Sexualität, Affären und Intrigen gewichen. Im Rollenwechsel vollführen beide ein lustvolles und schmerzhaftes Spiel der Verführung und Erniedrigung. Ein Spiel im Spiel entwickelt sich, das tödlich endet: In der Rolle der von ihm verführten Präsidentengattin Tourvel stirbt Valmont an dem Gift, das ihm Merteuil reicht. Ein Trümmerfeld der Begierden und Leidenschaften, die nicht erlöst werden.

Heiner Müller (*9.1.1929 in Eppendorf [Sachsen]; † 30.12.1995 in Berlin) ist Schriftsteller, Dramatiker, Dramaturg und Regisseur, der mit seinen Dramen, Bearbeitungen und Regiearbeiten zu den wichtigsten Theatermachern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt.
Kurz vor Kriegsende 1945 wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In den 50er Jahren arbeitete er als Buchhändler und Journalist und begann neben seiner Tätigkeit für den Schriftstellerverband der DDR, erste Theaterstücke zu schreiben. Seine Korruptionskomödie Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande wurde wegen Kritik an der Regierungsform schnell wieder vom Spielpan genommen und Müller vom Schriftstellerverband ausgeschlossen. In weiterer Folge arbeitete er vermehrt als freier Schriftsteller und wandte sich besonders der Beabreitung antiker Stoffe zu. (Philoktet 1966; Prometheus 1968; Ödipus Tyrann 1969). Seine Stücke der Folgezeit behandeln die nie enden wollende Gewalt, die Unmöglichkeit einer Revolution und den Verlust von Vernunft und Humanität (u. a.; Zement 1973; Germania Tod in Berlin 1977; Die Hamletmaschine 1977; Quartett 1981).
Von 1970 bis 1976 war er Dramaturg am Berliner Ensemble, ab 1992 zählte er dort auch zu den Direktoren und wurde schließlich 1995 - im Jahre seines Todes - für kurze Zeit Intendant.
1990 wurde Müller zum Präsidenten der Akademie der Künste in Ostberlin gewählt und in Frankfurt widmete man ihm eine eigene Werkschau. 1985 erhielt Müller den Georg-Büchner-Preis, 1990 den Kleist-Preis, 1991 den Europäischen Theaterpreis und 1996 wurde ihm posthum der Berliner Theaterpreis zugesprochen.


Besetzung