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Joël Pommerat

Kreise/Visionen

Eine Spurensuche

Schauspiel
Premiere 09.04.2011
Spielstätte

Diese Produktion steht leider nicht mehr auf dem Spielplan

Stückinfo

„Diese Geschichten sind witzig, manchmal erschreckend oder hart. Aber sie sind wahr.“
Joël Pommerat, Jänner 2010

In seinem neuesten Stück führt Joël Pommerat in die grundlegenden Widersprüche der zeitgenössischen Gesellschaft: Die neuen Normen stehen nicht im Einklang mit traditionellem Verhalten. Und bei Zuwiderhandlung
drohen unmittelbar Ausschluss und Kündigung. Lose aneinandergereihte Szenen führen Musterbeispiele einer erkaltenden Zwischenmenschlichkeit vor: Da ist ein junger Top-Manager, dem eine Sandlerin prophezeit, am Folgetag noch bedeutender zu werden.
Da sind eine sich selbst als Dornröschen bezeichnende Gestalt, die zudem unverblümt den sexuellen Kontakt mit dem Mann sucht (eine Art Wiedergängerin der Hexen aus Shakespeares Macbeth) und die Frau des Managers als nunmehr eifersüchtige Lady Macbeth. Den Manager selbst
peinigen Schuldgefühle, als er erfährt, dass direkte Vorgesetzte ohne sein Zutun sterben und sich dadurch der schnelle Weg des Aufstiegs in die Vorstandsetage öffnet.
Da ist der erfolgreiche, mit seinem Eigenengagement protzende Geschäftsmann, der eine Gruppe von Langzeitarbeitslosen in die Beschäftigung zurückcoachen soll und später in einer Gruppe phlegmatischer Obdachloser nach einem Organspender für seinen vom Tode bedrohten Sohn sucht. Und dann ist da noch ein alternder Gigolo, ein
Conférencier, der behauptet, nach Jahren unnützer Bewegung die Mitte, sein Zentrum gefunden zu haben.
Die Ökonomie des Verschenkens und die Ökonomie des Verkaufens stoßen immer wieder als unvereinbare Prinzipien aufeinander. Dazwischen tritt die Frage, ob Werte eine Beteiligung am Krieg begründen können, Fragen des christlichen Glaubens – ein Kaleidoskop von Themen und Motiven.

Joël Pommerat wurde 1963 in Roanne geboren und arbeitet als Autor und Regisseur. 1990 gründete er die Compagnie „Louis Brouillard“, mit der er bislang alle seine Texte zur Uraufführung brachte. Seine Stücke
waren zu vielen internationalen Festivals (unter anderem Festival d’Avignon) eingeladen. Cercles/Fiction ist nach Ich zittere (1 und 2) das
zweite Stück Pommerats, das am Landestheater Linz als Deutschsprachige Erstaufführung gezeigt wird.

Pommerat hat gerade zwei Molière-Statuen (wichtigster französischer Theaterpreis) nach Hause genommen. Er wurde zum besten zeitgenössischen Autor gekürt und seine Compagnie Louis Brouillard wurde für die beste Arbeit einer freien Theatergruppe ausgezeichnet.