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Stücke

Spielzeit 2019/2020

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Thomas Bernhard - Siegfried Unseld: Briefwechsel

Lesung mit Alexander Julian Meile und Christian Taubenheim

Sonderveranstaltungen
Spielstätte Kammerspiele
Dauer 01 Std. 50 min.

Termine 2019/2020

Freitag, 15. November 2019
19:30 - 21:20 Uhr

Stückinfo

Beinah 500 Briefe schrieben Thomas Bernhard und sein Verleger Siegfried Unseld sich in 28 Jahren, sie stellen den wohl dramatischsten Briefwechsel eines Autoren mit seinem Verleger dar. Zwei Titanen ringen um die Literatur, um Aufmerksamkeit, Liebe und, nicht zuletzt, Geld. Ein Kampf mit allen sprachlichen, gedanklichen und argumentativen Mitteln, ein Spektakel.

Das erste Treffen zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld fand am 28. Jänner 1965 statt, in der Wohnung des Verlegers. Frost war 1963 erschienen, man unterhält sich über dies und jenes, und kurz, bevor der Autor und seine Lektorin zum Zug müssen, fordert Bernhard von Unseld 40.000 DM – gleichsam aus dem Nichts heraus. Er brauche das Geld, um seinen Ohlsdorfer Hof abzahlen zu können. Mehr als zwei Jahrzehnte später, diverse Darlehen und finanzielle Balanceakte sind überwunden, notiert Unseld: „Guthaben von Thomas Bernhard: DM 319.000.” Dafür hat er alles ausgehalten.

Bernhard, der Wut-Techniker, treibt den erfolgsverwöhnten Verleger an seine Grenzen. Wie aber der Verleger es schafft, die jäh wechselnden Launen, die cholerischen Ausbrüche, die Unberechenbarkeiten seines Gegenübers nicht nur zu ertragen, sondern ihm auch noch das Gefühl zu geben, ihn für den größten lebenden Autor überhaupt zu halten – das erklärt, psychologisch differenziert, die Hintergründe seines Erfolgs. Bernhard lockt ihn immer wieder in böse Hinterhalte. Er fügt ihm schmerzliche Wunden zu. Aber Unseld hält stand. Und steigert die Auflage.

Der einzigartige Sensations-, Skandal- und Erfolgsweg Bernhards ist hier noch einmal zu verfolgen – bis hin zur legendären Heldenplatz-Premiere 1988 im Burgtheater. Doch parallel dazu findet das Psychodrama zwischen Bernhard und Unseld statt, es gibt keinen Unterschied zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Früh schon bekennt Bernhard, die „Arbeit” sei „meine einzige Freude, meine größtmögliche Unzucht”. Er beklagt immer wieder die „agronomische Schläue” des Unternehmers Unseld, der wiederum aufstöhnt: „Das ist der geschickteste und raffinierteste Brief, den mir je ein Autor zugesandt hat.”