Zaubernacht /
Die sieben Todsünden
Ballettabend von Jochen Ulrich und Fabrice Jucquois Zaubernacht (1922), Kinderpantomime
Musik von Kurt Weill,
Text von Wladimir Boritsch
In deutscher Sprache
Die sieben Todsünden (1933), Ballett mit Gesang
Musik von Kurt Weill,
Text von Bertolt Brecht
(Übertragung ins Englische von W. H. Auden und Chester Kallman)
Mit deutschen Übertiteln
Ballett
Premiere am 13.10.2012
Spielstätte Großes Haus
Dauer 2 Std. 00 min.
Diese Produktion steht leider nicht mehr auf dem Spielplan.
Stückinfo
Traum, Sehnsucht, Freiheit. Drei Begriffe stehen – unter verschiedenen Vorzeichen – im Zentrum der beiden einzigen Ballettmusiken, die Kurt Weill (1900–1950) komponiert hat. Beide Werke kreisen auf unterschiedlichste Art um diese essenziellen Begriffe des Lebens und verhalten sich dabei wie Spiegelbilder, die einen verzerrten Kommentar zum jeweils anderen abgeben.Unter positivem Vorzeichen steht die Zaubernacht, eine „Kinderpantomime“, die Weill 1922 komponiert hat. Von dem Lied einer Fee entfacht erzählt die Musik vom Lebendig-Werden der Spiele ringsum, vom phantastischen Hin- und Herpurzeln der Emotionen – in einer wilden und aufregenden Nacht der Schwerelosigkeit. So könnte der Kindertraum aussehen – auch er nicht gänzlich frei von Bedrohungen.
Was in aller Härte und Unerbittlichkeit daraus werden mag, zeigt der zweite Teil des Abends: Aus dem Sehnsuchtstraum wird ein Albtraum.
Die sieben Todsünden, nach Weills Emigration im Jahr 1933 entstanden, zeichnet das Motiv des Traums in wesentlich dunkleren Tönen. Hier ist der Traum der Hauptfigur – Anna I – der eines zweiten Ichs, das seine Schwester – Anna II – zur Erfüllung (selbst-)zerstörerischer Wünsche zwingt. Die treibende Kraft (Anna I) führt die passivere Schwester (Anna II) auf den Weg durch die Abgründe des verlockenden Großstadtlebens. Um jeden Preis Geld zu verdienen für das kleine Haus in Louisiana, heißt der Wunsch der einen – nicht der anderen. Hier enden alle Sehnsüchte in Scherben, Liebe wird zerstört und der Körper als seelenloses Objekt vermarktet. Bertolt Brechts Text nähert sich den traditionellen Lastern – Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht, Neid – auf satirische Weise, Gier und Grausamkeiten in Annas Umfeld stellen sich als moderne Äquivalente heraus.
Das „Ballett mit Gesang“ Die sieben Todsünden ist der schwarze Spiegel zur Zaubernacht. Choreograph Jochen Ulrich zeigt in diesem Ballettabend den Weg des Lebens als taumelnden Schritt von traumhafter Freiheit in schonungslose Abhängigkeit. Auch der Tanz vollzieht diesen Spagat und fällt aus luftig-leichten Höhen auf harten Asphalt.
Mit der britischen Rock-Legende Marianne Faithfull sind Kurt Weills Die sieben Todsünden hochkarätig besetzt und das erste Mal in dieser Besetzung szenisch auf der Bühne zu erleben.
(Am 21. Oktober und am 30. November 2012 übernimmt Christiane Boesiger die Rolle der "Anna I". Bitte beachten Sie die jeweilige Abendbesetzung.)



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